Lizenzfreie Bilder auf Webseiten - Was muss ich beachten?

11.10.2022 - Medienrecht, IT-Recht

 

Als fester Bestandteil des medialen Alltags sind Fotos und Bilder von Webseiten kaum noch wegzudenken. Dabei muss allerdings insbesondere das Urheberrecht beachtet werden. Nach dem Urheberrechtsgesetz sind Fotos als Lichtbildwerke nach § 2 UrhG geschützt. Lichtbildwerke zeichnen sich durch ihre persönlich geistige Schöpfung aus und erreichen aufgrund von Kreativität sowie Individualität eine bestimmte Gestaltungshöhe. Um in Zeiten von Abmahnwellen Bildmaterial für Webseite, Social Media Accounts oder Blogs nutzen zu können, greifen Webseitenbetreiber immer öfter auf sogenannte Stock-Fotos zurück. Webseiten wie iStock bieten ihren Nutzern eine große Auswahl an Bildern, welche Sie für den Einsatz auf Ihrer Webseite erwerben können.

 

 

Wie funktionieren Stock-Lizenzen? 

 

Laden Sie eine Bild-Datei/Video-Datei von Stock-Anbietern wie bspw. iStock herunter, erwerben Sie eine sogenannte Standardlizenz. Diese ermöglichst es den Anwendern, die Dateien für persönliche, geschäftliche oder kommerzielle Zwecke zu nutzen. Die vollständigen Lizenzbedingungen von iStock einem der größten Anbieter können Sie hier nachlesen. Grundsätzlich dürfen Sie je nach Lizenzvertrag des Anbieters, die erworbenen Fotos und Videos daher auch gewerblich für Ihre Webseite nutzen. IStock selbst unterscheidet dabei zwischen einer einfachen Lizenz und einer erweiterten Lizenz. Informieren Sie sich also genauestens, inwieweit eine einfache Lizenz für Ihre Verwendungszwecke ausreichend ist. So schreibt iStock in seinen Lizenzbedingungen bspw:

 

 

Ohne eine erweiterte Lizenz dürfen Sie Inhalte nicht für zum Weiterverkauf bestimmter Waren oder Services verwenden, deren Wert überwiegend aus dem lizenzierten Inhalt besteht; das ist etwa der Fall bei Grußkarten, Schreibwarenartikeln, Papierprodukten, Kalendern, Kleidungsstücken, Postern....

 

 

 

 

Eine Frage, welche Webseiten Betreiber uns in der Vergangenheit zunehmend gestellt haben war: 

 

 

Muss ich den Urheber der Stock-Fotografie auf meiner Webseite benennen? 

 

Das Oberlandesgericht Frankfurt Urt. v. 29.09.2022, Az. 11 U 95/21 musste sich erst kürzlich mit der Frage beschäftigen, ob ein Fotograf einen Anspruch auf Namensnennung gegenüber den Kunden des Stock-Portals ''Fotalia'' hat. Die Kundin hatte ein Bild auf dem Stock-Portal erworben und verwendete dieses als Hintergrund auf ihrer Webseite. Da die Kundin auch nach Aufforderung des Fotografen auf dessen Namensnennung verzichtete,  verklagte der Fotograf die Webseitenbetreiberin auf Unterlassung und Schadensersatz. 

 

Bereits das mit dem Fall betraute Landgericht wies die Klage des Fotografen ab. Das OLG Frankfurt schloss sich in dem Berufungsverfahren dieser Entscheidung an und wies die Klage ebenfalls ab. Das OLG begründete seine Entscheidung insbesondere mit der Auslegung der in den Lizenzvertrag einbezogenen AGB's.

 

Nach den in den Vertrag einbezogenen AGB habe ''sowohl Fotolia als auch jedes herunterladende Mitglied, welches ein Werk über Fotolia bezieht, das Recht aber nicht die Verpflichtung (...), das hochladende Mitglied als Quelle seiner Werke kenntlich zu machen". Bei verständiger Würdigung der AGB's seien diese dahingehend auszulegen, dass der Urheber damit auf seine Urheberrechtsnennung verzichte. 

 

Hinsichtlich der Frage, ob Fotografen als Urheber wirksam auf Ihr Recht zur Namensnennung wirksam verzichten können, hat das OLG Frankfurt die Berufung des Klägers zum BGH zugelassen.

 

 

Unserer Ansicht nach ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich hier der BGH entgegen der Entscheidung des OLG Frankfurt gegen einen wirksamen Verzicht aussprechen wird. Sollte der BGH jedoch entgegen unserer Einschätzung anders entscheiden, droht eine enorme Abmahnwelle. Wir werden Sie über die Entscheidung des BGH in dieser Sache informieren und Sie darüber auf dem Laufenden halten, ob zukünftig eine solche Nammensnennung erforderlich sein wird. 

 

 

 

 

Bedeutet die Entscheidung, dass ich den Urheber der Fotografien nie benennen muss, auch wenn ich das Bild von einem anderen Stock-Portalen heruntergeladen habe? 

 

Bevor Sie Bilder von Stock-Portalen verwenden, schauen Sie zunächst unbedingt in die Lizenzbedingungen der jeweiligen Anbieter. 

 

So schreibt bspw. der Stock-Anbieter ''Pexels'':

 

Eine Namensnennung ist nicht erforderlich. Den Fotografen oder Pexels zu erwähnen ist also nicht notwendig, aber wir freuen uns immer.

 

 

Auch der Stock-Anbieter ''Unsplash'' verzichtet auf eine Namensnennung der Urheber:

 

Unsplash grants you an irrevocable, nonexclusive, worldwide copyright license to download, copy, modify, distribute, perform, and use photos from Unsplash for free, including for commercial purposes, without permission from or attributing the photographer or Unsplash.

 

 

Einer der größten Stock Anbieter ''iStock'' hingegen macht eine Ausnahme für redaktionelle Inhalte: 

 

Muss ich bei Fotos den Urheber angeben? Bei einer Nutzung zu kommerziellen Zwecken ist die Angabe des Urhebers nicht erforderlich, aber wenn Sie Inhalte für redaktionelle Zwecke verwenden, müssen Sie den folgenden Vermerk in enger räumlicher Nähe zum betreffenden Inhalt oder in den Urhebervermerken für visuelles Material angeben: „iStock.com/Mitgliedsname des Künstlers.“

 

 

 

 

Seien Sie bei der Verwendung von Bildern Dritter immer vorsichtig und lesen Sie zunächst die Lizenzbedingungen. Sollten Sie weitere Frage rund um die Lizenzierung von Stock-Bildern haben, kontaktieren Sie uns gerne. Wir wissen, vor welchen rechtlichen Hürden Webseitenbetreibern regelmäßig stehen und haben für Sie dahingehend eine passende Lösung. Haben Sie eine Abmahnung erhalten wegen unlizenzierter Vervielfältigung und öffentlicher Zugänglichmachung eines Fotos auf Ihrer Webseite? Bewahren Sie Ruhe und kontaktieren und unverzüglich.

 

 

Rechtsanwältin Dagmara Döll, LL.M

Email: dagmara.doell@rechtsatelier-kanzlei.de

Telefon: +49 221 20194638